Schulsozialarbeit

Es waren die Hausbesuche als Bezirksrätin des 15. Bezirks, die mir die Tragweite von Mobbing an Schule klargemacht haben. Schüler*innen und Eltern erzählten von sehr, sehr konkreten Problemen. Zusätzliche Gespräche mit Lehrer*innen und Expert*innen mündeten in einem Pilotprojekt. Dieses erfolgreiche Projekt wurde schließlich von der damaligen Bildungssprecherin der Wiener Grünen, Martina Wurzer, in das erste grün-rote Regierungsübereinkommen eingebracht. Als Martina Wurzers Nachfolger, wurde es von David Ellensohn konsequent weiterbetrieben. Das Ergebnis: Schulsozialarbeit löst nicht nur bestehende Konflikte, sondern verhindert auch neue. Allein die Möglichkeit, als Schüler*innen oder als Lehrer*innen auf Schulsozialarbeit zurückgreifen zu können, verbessert die Situation für alle Beteiligten. Auch von Kindern wird die Schulsozialarbeit gut aufgenommen und sie gehen von sich aus auf Schulsozialarbeiter*innen zu.

Aber wir brauchen mehr:
Mit hundert zusätzlichen Schulpsycholog*innen und Schulsozialarbeiter*innen spielen wir Lehrer*innen frei, die so mehr Energie für ihre eigentliche Aufgabe, das Unterrichten, haben. Sie können zumindest einen Teil ihrer Rolle als Ersatzeltern, Sozialarbeiter*innen, Mentor*innen und Mediator*innen an die Schulsozialarbeit weitergeben. Konflikte werden aus dem Unterricht herausgehalten und an Orten gelöst, an denen sie auch gelöst werden können. Etwa, weil nicht 25 andere Kinder zuhören und nicht im wichtigsten Augenblick die Schulglocke läutet.
Von Schulsozialarbeit profitieren also alle Kinder: jene in sozialen Problemlagen, die sich in komplexen Umfeldern bewegen oder Sprachprobleme haben, und jene, deren Lernleistung durch mehr Aufmerksamkeit und Ruhe im Klassenraum verbessert wird.
In jeder der 500 Schulen Wiens soll zumindest an einem Tag in der Woche Schulsozialarbeit angeboten werden. Zumindest… Denn in Finnland etwa hat jede Schule einen oder eine fixe Sozialarbeiter*in. Eine Investition in junge Menschen, die sich – zB. mit Blick auf die Pisa-Ergebnisse, bei denen Finnland stets im vordersten Spitzenfeld liegt – ganz offensichtlich bezahlt macht. Für Kinder, Eltern und Lehrer*innen. Für uns alle.