Sexarbeit

Der öffentliche Raum ist für alle Menschen da. Er hat allen Sicherheit zu bieten. Zivilisation misst sich daran, ob sich auch Minderheiten und ausgegrenzte Menschen im öffentlichen Raum frei und sicher bewegen können. Deshalb haben wir uns als Grüne dem Druck widersetzt, Prostitution zu verbieten oder zu verdrängen. Verbieten und verdrängen verändert die Realität nicht. Für mich als Sozialpolitikerin heißt das: Hinschauen, zuhören, verstehen, Probleme erkennen und mit möglichst vielen Betroffenen Lösungen erarbeiten und umsetzen. Das haben wir gemacht: Anrainer*innen, Sexarbeiter*innen, Sozialarbeiter*innen, Polizei und noch weitere Gruppen haben sich zusammengesetzt.
Was hat sich geändert: Es gibt kaum mehr Lärmbelästigung für AnrainerInnen. Viele Sexarbeiter*innen haben den Weg zu mehr Selbstständigkeit geschafft. Die betroffenen Frauen schließen sich zusammen und schaffen damit den Schritt zu mehr Unabhängigkeit. Etwas mehr Unabhängigkeit. Die neuen Beratungen mit NGOs werden angenommen. Gut. Wir sind einen Schritt weiter.

Das neue Steuerungsteam aus Politik, Verwaltung, Polizei und NGOs hat das Gesetz begleitet und Handlungskonzepte für notwendige Anpassungen überarbeitet. Inzwischen gibt es mehr Vertrauen. Gut. Wieder ein Schritt.
Aber zwei gute Schritte sind nicht alles: Vielfach waren Bezirke und Institutionen vor allem daran interessiert, Prostitution zu verdrängen, unsichtbar zu machen. Den Straßenstrich gibt es noch immer. Bloß ist er jetzt an Orten, an denen ihn kaum jemand sieht. Und damit etwa auch Gewalt gegen Prostituierte nicht sichtbar ist. Vielfach waren politische EntscheidungsträgerInnen nicht mehr besonders daran interessiert, weitere Schritte zu entwickeln und umzusetzen.

Es gibt viele Gründe und Ursachen für das Wegschauen. Es ist etwa auch nicht immer leicht, den richtigen Weg durch den Dschungel zu finden, der Prostitution umgibt: auf der einen Seite Prostitution als Erniedrigung und Ausbeutung zu erkennen und andererseits dafür einzutreten, dass Sexarbeit als Beschäftigung behandelt wird – mit rechtlichen Schutznormen, Sozialversicherung, Entkriminalisierung und sich klarzumachen, dass sich ohne körperliche wie ökonomische Sicherheit der als Sexarbeiterin arbeitenden Frauen keine strukturellen Probleme lösen. Da geht es um Macht, um Geld, um Sex. Das Wiener Prostitutionsgesetz ist geradezu typisch für komplexe und schwierige Politik. Es wird uns niemand daran hindern, daraus zu lernen und weiterzuarbeiten.

 

 

Weitere Infos unter: https://wien.gruene.at/frauen/prostitution-warum-wir-uns-fuer-rechte-einsetzen-und-nicht-fuer-verbote