Wilhelminenberg-Kommission

Eineinhalb Jahre Recherche, 344 Seiten Endbericht. Die Wilhelminenberg-Kommission über das ehemalige Kinderheim in Ottakring zeigt uns, wie dort über Jahrzehnte mit massiver physischer und psychischer Gewalt gearbeitet wurde, und dass die politisch Verantwortlichen davon wussten.

Arges Unrecht an Schutzbefohlenen kann nicht „wiedergutgemacht“ werden. Man kann nur aufarbeiten, aufklären sowie den Opfern psychologisch und finanziell unter die Arme greifen. Dazu hat Wien mit dem Weißen Ring eine unabhängige Institution zur psychologischen Betreuung und zur Abwicklung von finanziellen Entschädigungszahlungen betraut.

Die Aufarbeitung durch die von der ehemaligen Richterin Barbara Helige geleiteten Kommission stößt immer wieder an Grenzen: 1977 sind alle internen Akten des Kinderheims vernichtet worden. Ein äußerst ungewöhnlicher Vorgang, bei dem unklar bleibt, in wessen Auftrag. Insbesondere für die Opfer ist indes die möglichst lückenlose Aufklärung nicht nur ein gerechtes, sondern eine psychisches Bedürfnis, das behutsam angegangen werden muss.

Seit 2011 gab es für Opfer die Möglichkeit, finanzielle Unterstützung bzw. therapeutische Hilfe zu erhalten. Insgesamt wurden 769 Fälle in den Gremiumssitzungen der Opferschutzorganisation Weißer Ring behandelt. Für 550 Personen wurden finanzielle Unterstützungen beschlossen und für 396 eine Psychotherapie bewilligt, insgesamt rund 25.000 Stunden. Zuerkannt wurden insgesamt über 50 Millionen Euro.

Das Leiden dieser jungen Menschen ist aber auch ein Auftrag, gerade wenn staatliche Einrichtungen betroffen sind, wachsam zu sein auf institutionelle Gewalt. Seit 2016 gemahnt daran eine Gedenktafel an der ehemaligen Kinderübernahmestelle im 9. Bezirk, von wo Kinder in Heime und Pflegefamilien gebracht wurden. Mit der Enthüllung ist die Republik dem Wunsch vieler Opfer nachgekommen. Der Staatsakt „Geste der Verantwortung“ im Zeichen von Demut und der Bitte um Entschuldigung war ein wichtiges Signal. Die rot-grüne Stadtregierung hat sich jahrelang dafür eingesetzt. Inzwischen wurde das Heimopferrentengesetz beschlossen.

Doch es darf keinen Schlussstrich geben. Eine bundesweite staatliche Untersuchungskommission und Anlaufstelle für Betroffene zu schaffen, ist somit nach wie vor unser Anliegen.

 

Weitere Informationen unter: https://wien.gruene.at/soziales/gedenktafel-fuer-opfer-von-gewalt