Migration

Klar gibt es in einer Großstadt Probleme: für viele zu hohe Mieten, zu wenig Jobs für Menschen mit geringer Ausbildung, und manchmal erfahren Menschen gar nicht, welche Unterstützung sie bei sozialen und familiären Problemen erhalten könnten. Statt Lösungen dafür zu suchen, hält die Bundesregierung bereits Sündenböcke parat: Menschen mit Migrationshintergrund.

Mein Ansatz ist ein anderer. Die Zugewanderten können ja nichts dafür, dass Kinder in Österreich bereits mit zehn Jahren eine Schulentscheidung treffen müssen, die ihr ganzes Leben beeinflussen wird. Sie können nichts dafür, dass Luxuswohnungen gefördert und der Markt für günstige Wohnungen verkleinert wird. Und sie können nichts für die Veränderungen in der Arbeitswelt …

Was können wir tun?

Zuerst müssen wir eingestehen, dass wir sehr lange nicht genau genug hingeschaut haben. Soziale Brennpunktschulen sind entstanden, weil die Politik ihre Steuerungsmöglichkeiten nicht genutzt hat. Genau so ist es beim Wohnen und im Niedriglohnbereich. Die Verantwortung liegt bei der Politik: Die wachsende Segregation in der Schule, auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt muss beendet werden. Was es dazu braucht, ist seit Jahren bekannt und wissenschaftlich belegt. Eine Öffnung der Schultypen muss gerade im rot-grünen Wien Priorität haben. Mieten müssen reguliert werden, Löhne müssen steigen.

Außerdem müssen wir dafür sorgen, dass Problemlösungen wirklich zu den Menschen kommen. Wir müssen in Wohnraum, in Jobs und in Ausbildung investieren. Im Dienste aller Menschen in Wien. Unterstützen wir alle Menschen in Problemsituationen – egal, ob sie ÖsterreicherInnen sind oder nicht. Ich schlage dafür ein Buddy-System vor: Geschulte Menschen zur Intensivbetreuung bei individuellen Problemen. Im Buddy-System werden einerseits Menschen in Gruppen eingebunden und andererseits Akutprobleme gelöst. Dabei geht es um Ausbildung, Familienberatung, Unterstützung gegen gewalttätige PartnerInnen, medizinische Hilfe. Und während die Unterstützten an ihrer Zukunft arbeiten, werden sie solidarisch abgesichert. Die Buddy-Betreuung ist nicht auf bestimmte Bevölkerungsgruppen ausgerichtet, sondern auf alle. So werden auch Nachbar*innenschaftsinitiativen angeregt, in denen die Menschen gemeinsam lokale Probleme besprechen und lösen können. Dafür hat die Stadt Geld und Raum zur Verfügung zu stellen. Die Leute vor Ort wissen besser als Bürokrat*innen, was sie brauchen und wie sie ihre Zusammenleben gestalten wollen.